Manns-Knabenkraut
Orchis mascula
(L.) L. ssp. mascula

Orchidee des Jahres 2009


Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Subtribus: Orchidinae
Blütezeit: (A) M 5 - A 6

Beschreibung

20 bis 40 (50) cm hoch, Stängel oben oft rötlich überlaufen. Die rosettig angeordneten, lanzettlichen Laubblätter sind eher dunkelgrün, ungefleckt oder deutlich gefleckt. Sie erscheinen bei beiden Unterarten erst ab dem Vorfrühling.
10 –30 mittelgroße, rotviolette Blüten bilden einen langen, schlanken, geschlossenen Blütenstand. Die vierteilige Lippe ist relativ glattrandig, sie besitzt ein weißes Zentrum mit roten Punkten oder Strichen, der schlanke, oft gebogene Sporn weist nach oben. Die seitlichen Sepalen sind weit nach oben geschlagen und berühren sich meistens, die übrigen Kronblätter bilden einen Helm.

Variation: Selten kommen Pflanzen mit rosa oder weißen Blüten vor.
Blütenstandsauschnitt – Schernfeld
Foto: H. Presser

Verwechslung:

Bei der ssp. speciosa stehen die seitlichen Sepalen waagrecht ab, die Laubblätter sind am Grund nur leicht gestrichelt. Vgl. auch „Besonderheiten“ bei der ssp. speciosa!
Einen Vergleich der Merkmale in Kurzform finden Sie hier.
Orchis morio hat einen kurzen Blütenstand, die seitlichen Sepalen sind deutlich grün gestreift.

Ähnliche Dactylorhiza-Sippen besitzen keine Grundrosette und wachsen auf feuchten Böden.

Blütezeit:
(Anfang) Mitte Mai bis Anfang Juni

Lebensraum in Bayern:

Auf trockenen, häufiger auf frischen, basischen bis leicht saueren Böden, besonders an Nordhängen und im Waldschatten in mageren Wiesen, ebenso in lichten Wäldern und Gebüschen. Außerhalb des Waldes findet man Orchis mascula fast nur in moosigen Bereichen. An Waldrändern ist die Art oft mit Haselsträuchern, im Wald mit Eichen, Eschen, Hainbuchen oder Buchen vergesellschaftet und bevorzugt lichte, krautreiche Zonen.

Habitus – Neuburg a.d. Donau
Foto: H. Presser

Schweinfurt - relativ hell gefärbte Blüten mit Anklängen an ssp. speciosa
Foto: H. Presser

Eine Magerwiese in Nordhanglage bei Schernfeld als Lebensraum vom Orchis mascula ssp. mascula
Foto: H. Presser
Magerrasenfläche am Waldrand mit Haselnuss-Sträuchern bei Mühlheim
Foto: H. Presser
© AHO-Bayern e.V. Verbreitung

Die Art hat ein recht ausgedehntes, wenn auch sehr lückenhaftes Verbreitungsgebiet: Von NW-Afrika bis zu den Britischen Inseln, Skandinavien, vom Kaukasus bis in die Türkei, weit abgesetzt im Ural. Die italienischen Vorkommen dürften zur ssp. speciosa gehören.

Gefährdung:
Orchis mascula scheint besonders in niederschlagsarmen Gebieten unter Trockenjahren zu leiden und ist dort in den letzten 20 Jahren stark zurückgegangen. Eine Rolle spielen wohl auch die stärker werdenden Bestände von Dachs und Schwarzwild, die gezielt die stärkehaltigen Knollen ausgraben.

Besonderheiten:
Als Bestäuber beider Unterarten sind hauptsächlich verschiedene Hummeln bekannt. Der natürliche Fruchtansatz ist mittelmäßig bis gering.

Verbreitungskarte im PDF- Format
Obereichstätt - die Laubblätter sind in einer grundständigen Rodette angeordnet und können - müssen aber nicht gefleckt sein.
Foto: H. Presser
Typischer Waldlebensraum mit hohem Krautwuchs bei Mühlhausen.
Foto: H. Presser
Blütenstand im Gegenlicht - Neuburg a. d. Donau
Foto: H. Presser

Bei gemeinsamen Vorkommen mit dem noch seltener vorkommenden Blassen Knabenkraut (Orchis pallens) kommt es beinah immer zu Bastardisierungen zwischen beiden Arten.
Diese Hybriden sind nicht immer leicht zu erkennen. Aber ein paar Hinweise helfen, diese doch recht sicher zu bestimmen:
Die Blattrosette ist auffallend kräftig, die Blätter oberseits glänzend und stets ungefleckt, ähnlich denen von Orchis pallens.
Die Blüten besitzen mehr Gelbanteile und wirken dadurch leuchtender, oder sind im Grundton (!) gelblich mit nur sehr wenig Rotanteil und stark reduzierter Zeichnung an der Lippenbasis.
Die Ränder der Lippen sind kaum gezähnt, sondern eher ganzrandig, die Lippe kann konkav gewölbt sein, ähnlich wie bei Orchis pallens.
Findet man zur Hochblüte von Orchis pallens bereits voll erblühte "Orchis mascula" im gleichen Biotop, handelt es sich in den meisten Fällen um angesprochene Hybriden, da Orchis mascula ssp. mascula blüht, wenn Orchis pallens bereits abblüht.

Habitus der Hybride - die Blattrosette besteht aus kräftigen, oberseits glänzenden Blättern.
Hetzles, 08.05.2004
Foto: U. Grabner

Blütenstand - Hetzles, 08.05.2004
Foto: U. Grabner

Hybride mit hohem "pallens-Anteil" - Geislingen (Baden-Württemberg), 30.04.2005
Foto: U. Grabner
zum Vergleich der beiden Unterarten in Kurzform

Helmut Presser

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