Braunrote Ständelwurz
Epipactis atrorubens
(HOFFMANN) BESSER (1809)


Unterfamilie: Epidendrioideae
Tribus: Neottieae
Subtribus: -

Veröffentlicht in:
Prim. Fl. Galiciae austriac. 1 (2): 220 (1809)

Basionym:
Serapias latifolia atrorubens HOFFMANN, Deutschl. Fl. ed. 2,2: 182 (1804) nom. inval.

Neotypus:
GUNNER (1772 (Bd.2): Tafel 5, Figur 3

Synonyme:
Epipactis rubiginosa (CRANTZ) W.D.J. KOCH (1844)

Etymologie:
atrorubens (lat.) =dunkelrot, bezogen auf die Blütenfärbung


Typischer Habitus – Zedersitz – 24.6.2009.
Foto: F. Fraaß
Beschreibung

Schlanke, ca. 20-70 cm hohe Pflanze mit lockerem, länglichen Blütenstand. Stängel oben flaumig behaart. Die länglichen bis eiförmigen Blätter laufen nach Vorne oft spitz zu und sind zuweilen auch etwas rötlich überlaufen. Die recht kleinen, gerne etwas nach unten hängenden Blüten sind in der Regel violett bis braunrot-dunkelrot.
Im Voralpenland und alpinen Bereich treten jedoch oftmals Pflanzen auf, in dessen Blüten die markante rote Komponente in den Hintergrund tritt und die Blüten eher zweifarbig grün-rot sind.
Ganz selten kommen auch cremefarbene Albinos vor.
Die sonst stets als "rotbraun" angegebene Blütenfarbpalette von Epipactis atrorubens ist zumindest für den Alpenraum zu relativieren und unterliegt hier zum Teil einer beträchtlichen Variabilität.
An der Basis der herzförmigen Vorderlippe (Epichil) befinden sich stark gefurchte, runzlig wirkende Kalli, die so sonst nur noch bei Epipactis microphylla zu finden sind. Die Blüten duften nach Vanille !
Blütezeit von Mitte Juni – Mitte Juli.

Die Blüten duften intensiv nach Vanille – Zedersitz 24.6.2009

Foto: F. Fraaß

Wunderschön rot gefärbte Einzelblüte – Schirradorf 26.6.2009
Foto: F. Fraaß

Blütenstand – Zedersitz – 26.6.2009.
Foto: F. Fraaß

Verwechslung:
Eigentlich unverwechselbar! Allein der starke Vanille-Duft ist charakteristisch für diese Art.
Trifft man Pflanzen mit typisch rot gefärbten Blüten an, fällt eine Unterscheidung zu anderen Arten nicht schwer. Bei etwas grünlicheren, zweifarbigen Blüten erkennt man sie schnell an der markanten Vorderlippe mit ihrer herzförmigen Form, deren ungleichmäßigen Rand und den runzligen Kalli (Höckerchen) in der Mitte.



Sehr schön zu erkennen ist die gekräuselte Vorderlippe – Zedersitz 24.6.2009.
Foto: F. Fraaß

Lebensraum
Die Braunrote Ständelwurz kommt in lichten Wäldern, an Trockenrasen, Gebüschen oder auf Kalkgeröll vor. Dabei bevorzugt diese Pflanze, warme, trockene Böden und kommt fast nur auf Kalk vor. Sie kann bei uns bis zu einer Höhe von ca. 1800m gefunden werden.


Typischer Standort von Epipactis atrorubens an einer Wegböschung an einem lichten Kiefernwald – Zedersitz 26.6.2009
Foto: F. Fraaß

Immer wieder kommen kleinere Varianten vor, bei denen die äußeren Ränder der Petalen und Sepalen leicht erhellt sind – Zedersitz 26.6.2009.
Foto: F. Fraaß

In den Kalkschottergebieten Südbayerns sind oftmals hell - oder zweifarbige Exemplare zu finden - Wolfratshausen/ Isarauen 07.07.2010.
Foto: U. Grabner


Lichter Kiefernwald mit Wacholder-Steppenheidencharakter - Biotop in den Isarauen bei Wolfratshausen
26.06. 2009
Foto: U. Grabner

Verbreitung
Epipactis atrorubens kommt im Norden bis zu den Britischen Inseln, dem Ostseeraum und Skandinavien vor. Weiter östlich erstreckt sie sich bis nach Russland und zur Krim. Auch der nördliche Kaukasus und Südsibirien werden gestreift. Im Süden geht die Verbreitung bis nach Süditalien, Nordspanien und zum Peleponnes.
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Verbreitungskarte im PDF- Format

Verbreitung in Bayern / Gefährdung
Epipactis atrorubens zählt in den Kalkgebieten noch zu den häufigeren Orchideenarten. Am ehesten sind Vorkommen durch Wegebau oder forstwirtschaftliche Maßnahmen gefährdet. Jedoch besitzt die braunrote Stendelwurz auch die Eigenschaft, Sekundärbiotope neu zu besiedeln.
In Bayern sind die Hauptverbreitungsgebiete dieser Orchidee im Voralpenland sowie im fränkischen Jura und in Unterfranken. Da diese Art kalkgebunden ist, ist sie in bodensauren Gebieten kaum anzutreffen. Am ehesten sind dort ein paar Einzelpflanzen an geschotterten Wegrändern möglich, da durch den Schotter ein gewisser Kalkanteil in den Boden gelangen kann. Jedoch verschwinden diese Einzelvorkommen häufig nach ein paar Jahren wieder.


Austrieb einer Gruppe an einem geschotterten Wegesrand auf eigentlich saurem Untergrund – Bärnreuth 1.6.2008.
Foto: F. Fraaß

Apochromes Exemplar, eingewoben von der Kräuselspinne (Dictyna arundinacea) - Eibsee bei Garmisch-Partenkirchen 12.07.2009.
Foto: U. Grabner

Südbayerisches Exemplar - Mittenwald 15.07.2006.
Foto: U. Grabner

Immer wieder kommen kleinere Varianten vor, bei denen die äußeren Ränder der Petalen und Sepalen leicht erhellt sind – Zedersitz 26.6.2009.
Foto: F. Fraaß
Florian Fraaß

Beobachtete Bestäuber an Epipactis atrorubens in Südbayern:

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