Troodos-Ständelwurz
Epipactis troodi
LINDBERG fil. 1942


*Epipactis troodi* LINDBERG fil., Soc. Scient. Fenn. Årsbok 20 B, no. 7:5 (1942)

Typus: Zypern Troodos-Gebirge

Syn.:
E. persica subsp. troodi (H. LINDBERG) TAUBENHEIM 1977
E. helleborine subsp. troodi (H. LINDBERG) SUNDERMANN 1980

Abb. 1
Zypern, Troodos, 16.06.1990
Habitus austreibend, stark violett überlaufen
Foto: EG







Abb.2
Zypern, Troodos, Platania 16.06.1990
Infloreszenz kaum geöffnete Blüten
Foto: EG







Abb. 3
Zypern, Troodos, 16.06.1990
Habitus aufblühend
Foto: EG
Etymologie:
troodi  = vom  Berg Troodos

Wuchs und Größe :

schlank, 20-45 (50) cm,  manchmal mehrere Pflanzen beisammen wachsend, aber keine Gruppen

Stängel:

meist dunkelgrün

Blätter:

Niederblätter 2-3, ober- und unterseits violett überlaufen Laubblätter 2-3, kürzer als die großen Internodien, die unteren tütig oval, 3-4,5 cm lang, 2-2,5 cm breit, (das größte 5-7 cm lang, 2-2,8 cm breit), die oberen lanzettlich zugespitzt, meist beidseitig violett überlaufen, schräg vom Stängel abstehend; Hochblätter 1-2, meist oberseits und unterseits violett überlaufen

Blütenstand:

mehr oder weniger einseitswendig, wenigblütig, selten bis 30 Blüten, Spindel im Bereich des Blütenstandes spärlich behaart

Fruchtknoten und Stiel:

fast kahl, Stielchen grün, auch häufig violett

Tragblätter:

lang, länger als Fruchtknoten, 1,5 bis 2,5 (5) cm lang, 0,4-0,7 (2,0) cm breit

Blüten:

mittelgroß, glockenförmig, manchmal weit geöffnet, gelb-grün, nickend bis hängend,

Bestäubung allogam, fakultativ autogam

Sepalen:

12x6 mm, hellgrün

Petalen:

etwa gleich groß, grün, oft violett überlaufen, vor allem am Rand, Spitzen etwas nach außen gebogen

Hypochil:

napfförmig, innen olivgrün, mit purpurnem Rand, nektarhaltig

Durchgang zwischen Hypo- und Epichil:

breit

Epichil/Kalli:

schmal-länglich-dreieckig, ca. 6x6 mm, rotpurpurn mit grünem Mittelstreifen, Kalli klein, runzlig

Gynostemium:

Klinandrium entwickelt, Viscidium vorhanden, bei frisch geöffneter Blüte wirksam; Pollinien schnell zerfallend

Blütezeit:

(E5) 6-M7
Variabilität:
wenig variabel
Verwechslungsmöglichkeiten:

Sie ist der E. cretica ähnlich. Diese hat kleinere Blüten, horizontal bis hängend, das Stielchen des Fruchtknotens ist stets grün.

E. persica hat Laubblätter, die rechtwinklig vom Stängel abstehen, keine Violetttönung von Stängel und Blättern und weniger purpurn gefärbte Blüten.

E. microphylla, mit der nur ein gemeinsamer Fundort bekannt ist,  hat einen zerklüfteten Kallus und  einen stark behaarten Fruchtknoten.
Verbreitung

Gebiet:

Auf ein kleines Gebiet in Zypern beschränkt: in der Waldregion des Troodos, im Zederntal sowie in der Haselnusspflanzung bei Lagoudera, stets nur wenige Pflanzen. Die Angabe bei ROBATSCH, dass sie laut Taubenheim auch bei Antalya in der Türkei vorkomme, ist sicher falsch, weil dieses Gebiet gut besucht ist und die Meldung nie bestätigt wurde. Es ist vermutlich eine Verwechslung mit den dortigen violett überlaufenen E. microphylla. Die Ehepaare RÜCKBRODT und HANSEN schrieben im Ber. Arbeitskr. Heim. Orchid. 9 (1): 29 (1992), dass RENZ und TAUBENHEIM (1984) den Fund zu Ep. persica und nicht zu E. microphylla gestellt haben. Das erscheint seltsam, da E. persica nicht violett überlaufen ist und bei RÜCKBRODT kein Fundort von E. persica für die Gegend von Antalya angegeben ist, auch nicht bei KREUTZ.

Höhe:

800 – 2000 m


Stand 2010
Verbreitungsgebiet
Kartenquelle: www.mygeo.info

Abb. 4
Zypern, Troodos, Platania 16.06.1990
Infloreszenz
Foto: EG
Standort

Boden:

feucht, humos, basisch, kalkhaltiges oder vulkanisches Gestein.

Exposition:

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Biotoptyp:

Gebüschränder, Straßengräben, kühle, schattige Pinien-Wälder und Mischwälder, oft unter Platanen entlang von Bächen, auch in Haselnusspflanzungen

Besonderheiten
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Problematik
Einerseits wird E. troodi von manchen Autoren wegen großer morphologischer Ähnlichkeit als Unterart zu E. cretica gestellt, andererseits aber aus denselben Gründen eher in Richtung E. persica. Im Habitus steht E. troodi der E. cretica näher, blütenmorphologisch tendiert sie mehr zu E. persica.


Abb. 5
Zypern, Zederntal, 16.06.1990
Habitus schlank knospig
Foto: EG

Abb. 6
Zypern, Troodos, Platania 16.06.1990

Einzelblüte
Foto: EG

Abb. 7
Zypern, Troodos, Platania 16.06.1990

Einzelblüte
Foto: EG

Abb. 8
Zypern, Troodos, Platania 16.06.1990

Einzelblüte zerfallende Pollinien
Foto: EG

Abb. 9
Zypern, Troodos, Platania 16.06.1990

Einzelblüte
Foto: EG

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