Fliegen-Ragwurz
Ophrys insectifera
LINNÉ (1753)


Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Subtribus: Orchidinae

Veröffentlicht in:
Sp. pl. 2: 948. 1753

Lectoypus:
LINN 1056. 20. Herkunft Schweden, Öland, bei Björnhovda, 13.06.1741, leg. C. LINNAEUS
(BAUMANN, KÜNKELE & LORENZ 1989: 512, 628-629).

Synonyme:
Ophrys muscifera HUDSON (1762)
Ophrys myodes JACQUIN (1782) nom. illeg.


Etymologie:
Der lateinische Artname insectifera bedeutet in der Übersetzung Insekten-tragend und charakterisiert das Aussehen des Blütenstandes.


Abb. 1
Tiefenhöchstadt, 16.05.2010
Foto: A. RIECHELMANN
Beschreibung

Pflanze schlank, 15 – 40 (60) cm hoch, Stängel stilrund, gelblich-grün, im Verhältnis zur Pflanzengröße relativ dünn (1,5 – 2,2 mm), am Grunde 2 bis 5 bläulich-grüne, an der Stängelbasis gehäufte, länglich-lanzettliche Blätter; das oberste Laubblatt umfasst den Stängel scheidig. Blütenähre langgestreckt und locker, 4-16 mittelgroße, fast einseitswendig gestellte, fliegenähnliche, spornlose Blüten (12-18 mm). Sepalen hellgrün, lanzettlich, Mittelnerv tritt deutlich hervor, Rand zurück gebogen. Petalen fadenförmig (fühlerartig), kürzer als die Sepalen, dunkel braunrot, kurz behaart, schräg aufwärts stehend. Lippe länglich dreilappig mit tief eingebuchtetem Mittellappen, ohne Anhängsel, dunkel purpurbraun mit bläulich-grauem (bis weißlichem) Malfleck; Seitenlappen etwas konvex, ungehöckert und kurz behaart. Basalfeld leicht vorgewölbt, am Grund mit zwei schwarzen Schwielen. Konnektiv kurz, stumpf und ohne Fortsatz; Staubbeutel intensiv rotorange, Staminodialpunkte fehlend.

Blütezeit:

Mitte Mai bis Anfang Juli

Abb. 2 und 3
Tiefenhöchstadt, 16.05.2010
Fotos: A. RIECHELMANN

Verwechslung:
Ophrys sphegodes besitzt breitere, hellere Petalen; die Lippe ist ungeteilt, gewölbt, mit Höckern. Verwechslungen sind mit den Hybriden Ophrys insectifera x Ophrys sphegodes (Ophrys xhybrida POKORNY) und Ophrys insectifera x Ophrys holoserica (Ophrys x aschersonii DE NANT.) möglich; deren Lippen und die Perigonblätter zeigen sich jedoch meist breiter.

Varietäten:

Ophrys insectifera
var. ochroleuca CAMUS: Lippe gelblichgrün mit weißem Mal, Petalen ebenfalls gelblichgrün.



Abb. 4 (links): Spies, 29.05.1994
Abb. 5 (rechts): Tiefenstürmig, 17.05.2001
Ophrys insectifera var. ochroleuca
Fotos: A. RIECHELMANN

Lebensraum

lichte Föhren- und Kiefernbestände, sonnenexponierte Halbtrockenrockenrasen, wärmeliebende Buchen- und Laubmischwälder (Lichtungen), Trockengebüschsäume, Wacholdertriften, Magerwiesen vom Tal bis in den Legeföhrengürtel, steinige Hänge, seltener Sumpfwiesen und Flachmoore; kalkgebundene Art, neutrale bis schwach basische Kalk- oder Dolomitböden.


Abb. 6
Biotop von Op. insectifera, gemeinsam mit Orchis militaris,
Tiefenhöchstadt, 16.05.2010
Foto: A. RIECHELMANN
Abb. 7 (links): Variabilität der Blütenfärbung: hin und wieder besitzen die Lippen gelbliche Ränder.
Abb. 8 (rechts): typisch gefärbte Lippe
Tiefenhöchstadt, 16.05.2010
Fotos: A. RIECHELMANN

Abb. 9 und 10
Das Männchen der Grabwespe Argogorytes mystaceus als spezifischer Bestäuber der Fliegen-Ragwurz

Tiefenstürmig, 14.06.2010
Fotos: A. RIECHELMANN
Besonderheiten:

Überwintert als Rosette; Sexualtäuschblume; besiedelt gerne Sekundärstandorte (Böschungen neu angelegter Waldwege)


Verbreitung:

Ophrys insectifera ist die am weitesten nach Norden gehende und fast auf Nord- und Mitteleuropa beschränkte Art, die man in folgenden Ländern finden kann: Skandinavische Halbinsel bis 67° n. Br., Finnland, Däne­mark, Deutschland, Holland, Belgien, Britische Inseln (England und Irland, aber nicht in Schottland), Frankreich, nördliches Spanien, Italien, Schweiz, Österreich, Tschechien, Ungarn, Polen, Rußland, Rumänien, Slowenien und Kroatien.

Verbreitung in Bayern

häufig in den Muschelkalkgebieten Unterfrankens, in der Frankenalb, im Nördlinger Ries sowie im Voralpen- und Alpengebiet. Fehlt im Fichtelgebirge, Oberpfälzerwald und Bayerischen Wald sowie in Niederbayern.


Gefährdung:

Standorte gehen durch Nutzungsänderung (Aufforstung, Umbruch, Brache) verloren.

© AHO-Bayern e.V.
Verbreitungskarte im PDF- Format

Abb. 11
Fruchtkapsel von Ophrys insectifera
Tiefenstürmig, 11.07.2009
Foto: A. RIECHELMANN

Abb. 12
Fruchtkapsel der Hybride Ophrys xhybrida (insectifera x sphegodes),
Tiefenstürmig, 07.07.2010

Foto: A. RIECHELMANN

Hybriden mit Ophrys insectifera in Bayern
Ophrys insectifera x sphegodes (Ophrys xhybrida)

Abb. 13 und 14
Tiefenhöchstadt, 22.05.2010
Ophrys xhybrida
Fotos: A. RIECHELMANN

Ophrys apifera x insectifera (Ophrys xpietzschii)

Abb. 15 und 16
Dörrnwasserlos, 22.06.2002
Op. xpietzschii
Fotos: A. RIECHELMANN

Ophrys holoserica x insectifera (Ophrys xaschersonii)

Abb. 17
Augsburg, 16.06.2010
Ophrys
xaschersonii
Fotos: U. GRABNER
Adolf Riechelmann

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