Schwarzes Kohlröschen
Nigritella rhellicani
TEPPNER & KLEIN (1990)


Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Subtribus: Orchidinae

Bayern, Soierngruppe – Blütenstand - 13.07.2007
Foto: H.C. Alt
Blütezeit: E 6 – M 7

Nigritella rhellicani ist das im bayerischen Alpenraum bei weitem am häufigsten auftretende Kohlröserl.

Beschreibung:

Die Pflanzen werden 10 – 20 (8 – 25) cm hoch. Im Aufblühen ist der Blütenstand in der Tendenz kegelförmig, voll erblüht eher länglich eiförmig. Die Blüten stehen dicht gedrängt beieinander und duften nach Vanille. Die Lippe weist wie bei allen Kohlröschen nach oben und ist etwas kleiner als bei N. austriaca (siehe dort). Sie ist am Grund schwach eingeschnürt und im vorderen Teil ausgebreitet, spitz zulaufend. Die Perigonblätter sind alle schmal lanzettlich, wobei die Petalen deutlich schmäler und kürzer als die Sepalen sind. Die Blütenfarbe ist sehr dunkel (schokoladen- bis schwarzrotbraun). Entsprechend schwierig ist es kontrastreiche Detailfotographien der Blüten zu erhalten. Aus der Entfernung wirken die Blütenstände wie schwarze Flecken in den Bergwiesen.

Die Blätter sind schmal grasartig, rinnig gefaltet und am Grunde gedrängt. Häufig werden sie vom umgebenden dichten Gras völlig verdeckt. Der kantige hellgrüne Stängel wird nur von wenigen kürzeren Blättern begleitet, die in die Tragblätter übergehen. An den obersten Blättern fällt der bräunliche Blattrand auf.

Es gibt allerdings auch seltene hellere Farbvarianten (bis ziegelrot oder hellgelb), die vor allem aus den Dolomiten bekannt sind.
Als Unterscheidungsmerkmal zu N. austriaca (siehe dort) kann auch der sog. Stiftchensaum der unteren Tragblätter dienen.
N. rhellicani ist diploid (zweifacher Chromosomensatz: 2n = 40); die Fortpflanzung erfolgt normal sexuell.

Das Schwarze blüht bei uns als letztes Kohlröserl auf. Im Gegensatz zu den anderen, wesentlich selteneren Nigritellen ist die Blütezeit relativ ausgedehnt. Man kann an einem größeren Standort durchaus über einen Monat hinweg blühende Pflanzen antreffen.

Bayern, Wank – Habitus - 15.07.2005
Foto: V. Dümichen

Bayern, Stierkopf, 12.07.1998
N. rhellicani in Hochblüte
Foto: W. Wucherpfennig

Etymologie

TEPPNER und KLEIN erkannten, dass sich die im Alpenraum verbreiteten schwarzen Kohlröschen von den schon von LINNÉ beschriebenen skandinavischen N. nigra merklich unterscheiden. Sie tauften die Art N. rhellicani nach Johann Müller aus Rhellikon am Greifensee, genannt Rhellicanus, der 1536 als Erster die Pflanze in einem Gedicht erwähnt.

zwei voll erblühte Blütenstände
Österreich - Leutasch 05.07.2009
Foto: U. Grabner

Begleitflora – Lerchkogel – 29.06.2009
Foto: H.C. Alt

Lebensraum
Die Pflanze kommt auf ungedüngten besonnten alpinen Magerrasen vor. Sie verträgt trockene bis leicht feuchte Böden. Sie ist nicht an Kalk gebunden und insgesamt die anspruchsloseste Kohlröschenart. Die Höhenverbreitung erstreckt sich in unserem Gebiet von 1200 – 2350 m. Begleitende Orchideenarten können die anderen Kohlröschen sein, sowie Einblatt, Händelwurz, Hohlzunge, Brand-, Fuchs‘ und Kugel-Knabenkraut.


Biotop – Soierngruppe – 13.07.2007
Foto: H.C. Alt

Verbreitung
Das Schwarze Kohlröschen ist im Alpenraum verbreitet, fehlt aber im Osten Österreichs. Außerdem kommt es in den nördlichen Apenninen vor, in den Karpaten und in den Gebirgen des Balkans bis nach Griechenland.

Gefährdung
Intensive Beweidung durch schweres Vieh, Trittschäden durch Bergwanderer, Almwegebau, Anlage von Skipisten.


Österreich, Tirol, Leutasch, 11.07.2009
der Biotop ein Alpensüdhang mit lockerem Fichtenbesatz
Foto: U. Grabner

© AHO-Bayern e.V.
Verbreitungskarte im PDF- Format


Feichtenalm, 01.07.2006
Foto: U. Grabner
Bayern, Garmisch-Partenkirchen, Wank  – 15.07.2005
Foto: V. Dümichen

Lerchkogel, 29.06.2009
Foto: H.C. Alt

Bayern, Sachrang, Wandspitz 25.06.2006
N. rhellicani knospend
Foto: U. Grabner

Österreich, Tirol, Leutasch, 11.07.2009
N. rhellicani mit Bestäubern, angelockt durch den intensiven Vanille-Geruch des Kohlröserls
Foto: U. Grabner

Bayern, Wank, 01.08.1998
N. rhellicani in fruchtend
Foto: W. Wucherpfennig


Bayern, Wank, 21.07.2000
Detailstudie der Lippe und des Säulchens von N. rhellicani

Aufnahmen: W. Wucherpfennig


Bayern, Wank, 21.07.2000
Detailstudie der Lippe und des Säulchens von N. rhellicani

Aufnahmen: W. Wucherpfennig
Hans Christian Alt

Literatur
AHO Bayern e. V. (Hg.) (2006):
Verbreitungsübersicht der Orchideen in Bayern
Ber. Arbeitskrs. Heim. Orchid., Beih. 7

BRÜTSCH J. P. J. (2000):
Die Gattung Nigritella
Bauhinia 14, 21-32

GRIEBL N. (2009):
Die Gattung Nigritella in Österreich
Ber. Arbeitskrs. Heim. Orchid. 26 (1), 76-105

KRETZSCHMAR H. (2008):
Die Orchideen Deutschlands und angrenzender Länder
Quelle&Meyer, Wiebelsheim

PRESSER H. (2002):
Die Orchideen Mitteleuropas und der Alpen
ecomed, Landsberg

WUCHERPFENNIG W. (1999):
Die Gattung Nigritella
www.aho-bayern.de/pdf_docs/nigritella.pdf

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