< AHO- Bayern e.V. Liparis loeselii

Torf-Glanzkraut
Liparis loeselii
(L.) L.C.M. RICHARD (1817)


Unterfamilie: Epidendrioideae
Tribus: Malaxideae
Subtribus: -
Blütezeit: M 6 - A 7
Beschreibung
Das Torfglanzkraut ist mit ca. 8 bis 20 cm Höhe eine kleine und recht unscheinbare Orchideenart mit hellgrüner Färbung und zwei bodenständigen, spitzeiförmigen, fettig glänzenden Laubblättern. In der Blütezeit zwischen Anfang Juni und Anfang Juli trägt die Pflanze in einem lockeren Blütenstand zwei bis zehn hell-gelbgrüne, spornlose Blüten. Diese weisen auffällig langgezogene Perigonblätter und eine rechtwinklig geknickte Lippe auf. Während der Fruchtreife verfärbt sich die ganze Pflanze gelbgrün und hebt sich dann oft besser vom Untergrund und von den Begleitpflanzen (z. B. dem Fieberklee) ab.

Verwechslung:
unverwechselbar! Einzige Art dieser Gattung in Europa!

Habitus - Weilheim 10.06.2007
Foto: U. Grabner

Lebensraum

Das Torfglanzkraut ist kalkliebend und besiedelt beispielsweise Kalkflachmoore, Seggensümpfe und Schlenken in Übergangsmooren. Im oberbayerischen Raum kommt die Art (selten) in nassen, kalkreichen Streuwiesen, sowie Hangquellmooren und vor allem in den Verlandungsmooren von Seen vor.

Die Art wächst meistens in kleinen Trupps von bis zu 20 Pflanzen. Große Bestände mit über 50 Pflanzen sind selten. Auffällig ist, daß mechanisch verletzte Stellen des Untergrundes vom Torfglanzkraut oft bevorzugt besiedelt werden. Hierfür ist wohl der geringere Konkurrenzdruck an diesen offenen und daher gut beleuchteten, vegetationsärmeren Plätzen ausschlaggebend.
Gern wächst sie in lockeren (!) Schilfbeständen.

Blütenstand – Weilheim 08.06.2003
Foto: U. Grabner

Verbreitung
Nach dem Erlöschen der meisten norddeutschen Vorkommen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, befinden sich die deutschen Hauptverbreitungsgebiete der Art gegenwärtig in Oberschwaben, Oberbayern und Brandenburg.
Die Höhenverbreitung erstreckt sich in Deutschland zwischen Meereshöhe und 885m.

Locker mit Schilf besetztes Hangmoor bei Weilheim als Biotop von Liparis loeselii 11.06.2008
Foto: U. Grabner

© AHO-Bayern e.V.
Leicht nordexponiertes Hangquellmoor mit reichen Fieberklee-Beständen und Dactylorhiza lapponica (!) umgeben von  Buchen-Mischwald bei Weyarn. Auch hier kommt Liparis nur im lockeren Schilfbestand vor - 28.06.2009.
Foto: U. Grabner
Verbreitungskarte im PDF- Format

Verbreitung in Bayern
In Bayern konzentrieren sich die ohnehin wenigen Vorkommen auf die Moore der Voralpenlandschaft.
Auch bei dieser Art kommt dem Land Bayern eine hohe Verantwortung zu, da es neben den oben genannten Bundesländern in Deutschland wohl noch die meisten Vorkommen vorzuweisen hat.

Weilheim; 18.06.2005.
Foto: U. Grabner
Weilheim; 11.06.2008.
Foto: U. Grabner
Bestäubung:
Wie eine Vielzahl von Orchideen ist auch das Torfglanzkraut ein Spezialist in Sachen Bestäubung.
Die kompakten Pollinien fallen nach dem Öffnen der Anthere auf die weißlichen, rudimentären Viscidien und bleiben zunächst daran haften (Bild rechts). Aufgrund der Kompaktheit können Sie von Insekten aber auch ohne weiteres "verschleppt" werden (Gelbe "Krümel" an Lippen- und Sepalunterseite Bild links). In der Regel jedoch fallen Sie durch Wind, Erschütterungen und vor allem Regen nach unten, bleiben aber mit den Viscidien verhaftet und gelangen so auf den Narbenbereich.
Liparis loeselii bestäubt sich somit zum größten Teil selbst (autogam).

Außerdem ist diese Art in der Lage, sich vegetativ fortzupflanzen. Als eine der wenigen europäischen Orchideen bildet sie Scheinknollen. Es handelt sich hierbei um verdickten Rhizomenden, die als Nährstoffspeicher genutzt werden.
In der Regel finden sich eine junge, diesjährige Scheinknolle, die mit den diesjährigen Blättern umhüllt ist und eine Scheinknolle aus dem vorangegangenen Jahr neben dem aktuellen Sproß. Diese sogenannte Pseudobulbenbildung ist eigentlich ein Merkmal etlicher tropischer Orchideen.
Normalerweise sind nur die Pseudobulben der letzten zwei Vegetationsperioden "am Leben" und befinden sich nebeneinander. Sollten sich aber mehrere Rhizomsproße verdicken und somit Pseudobulben bilden, treiben diese zusätzlich Gebildeten auch einen Blütensproß aus!
Allerdings ist bis heute das Verhältnis von vegetativer Fortpflanzung und derer aus Samen unbekannt.
Wiederum im lockeren Schilfbestand bei Geretsried; 15.06.2009.
Foto: U. Grabner
Weilheim 10.06.2007
Foto: U. Grabner
Fruchtstand; Penzberg - 16.08.2009
Foto: Fam. Hoffmann
Einzelblüte; Weilheim - 10.06.2007
Foto: U. Grabner
Gefährdung:
Die Art ist vor allem durch die Vernichtung der erforderlichen Feuchtgebiete aufgrund von Düngung und Trockenlegung stark gefährdet. Wegen ihrer geringen Konkurrenzstärke führt auch die Sukzession nach dem Ausbleiben der Streuwiesenmahd zum Verschwinden der Populationen. Sowohl auf der deutschen als auch der bayerischen Roten Liste wird das Torfglanzkraut folgerichtig mit dem Gefährdungsgrad 2 geführt.
Helfen Sie mit, die letzten Biotope dieser skurril-schönen Art zu erhalten!
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© 2009 AHO Bayern e. V.

Wolfgang Höll & Uwe Grabner

Literatur:

FOLEY M. & S. CLARKE (2005) Orchids of the British Isles S. 118-123

HARRAP, A. & S. (2005) Orchids of Britain and Ireland S. 142-150

KÜNKELE, LORENZ (1994): Journal Europäischer Orchideen 26 (1): 17 - 36.

AHO Bayern e.V., Orchideen in Bayern, 2006.