Greuters Ständelwurz
Epipactis greuteri
BAUMANN & KÜNKELE (1981)


Unterfamilie: Epidendrioideae
Tribus: Neottieae
Subtribus: -

Veröffentlicht in:
Mitteilungsblatt Arbeitskr. Heim. Orch. Baden-Württemberg 13 (3):
344 & 345 (1981)

Typus:

Griechenland, Region Thessalien, Bezirk Trikala, Pindos-Gebirge, zwischen Hatzipetrios und Pirra, 1250 m ü. M.


Blütezeit: E 7 - M 8

Abb. 1
Habitus - 26.07.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT
Syn.
Epipactis flaminia P.R. SAVELLI & ALESSANDRINI
Epipactis greuteri ssp. flaminia (SAVELLI & ALESSANDRINI) H. BAUMANN, KÜNKELE & LORENZ
Epipactis greuteri var. flaminia (SAVELLI & ALESSANDRINI) KREUTZ
Etymologie:
greuteri: benannt zu Ehren Prof. Dr. W. GREUTER (Berlin)

Abb. 2
Blütenstand - 02.08.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Greuters Ständelwurz wurde 1981 von Helmut BAUMANN und Siegfried KÜNKELE aus dem nordgriechischem Pindus-Gebirge beschrieben.
Im selben Jahr entdeckte R. FELDMAN in Thüringen eine Population mit überaus ähnlichen Pflanzen. Eine Veröffentlichung dieses Fundes erfolgte allerdings erst im Jahre 1996 und galt seitdem als einziges inselartiges Vorkommen für Deutschland.
Nach und nach wurden weitere Fundmeldungen aus dem südlichen
Europa sowie östlichem Mitteleuropa bekannt.
Vorkommen in Tschechien und Österreich zeigten bald, dass die Art allgemein bis Mitteleuropa ausstrahlt und das bisher bekannte Vorkommen in Thüringen gar nicht mehr so isoliert sein dürfte, wie es zunächst schien.
Im Jahre 2008 gelang der Erstnachweis von TENSCHERT für Bayern (Oberpfalz).
Trotz der allgemeinen Seltenheit sind weitere Funde innerhalb der Bundesrepublik nicht auszuschließen, ja sogar wahrscheinlich.
Vielleicht blieb sie bisher auch einfach nur weitgehend unentdeckt, weil sie gemeinsam mit anderen Epipactis-Arten vorkommen kann und unter Umständen nicht als Epipactis greuteri erkannt wurde.


Beschreibung:
Die Pflanzen können bis zu 70 cm hoch werden. Die hellgrünen
schmalen Blätter wirken auffällig schlaff und nach unten
hängend, der Blattrand ist gewellt. Das erste Blatt ist
relativ hoch angesetzt, so dass sie "hochbeinig" wirkt. Der
Stängel ist im oberen Bereich dicht behaart. Der Blütenstand
ist reichblütig und relativ lang. Die Fruchtknoten sind lang
gestielt, schlank und nach unten gebogen. Die Blüten sind
halb bis weit geöffnet und hängen durch das auffallend lange Blütenstielchen nach unten.
Die Blüten sind insgesamt grün; sowohl die Blütenblätter als
auch die Vorder- und Hinterlippe.
Die Perigonblätter sind oftmals etwas nach hinten gebogen.
Sie ist selbstbestäubend und weist deshalb einen fast 100 %igem
Fruchtansatz auf.
Interessanterweise wird sie trotz der obligaten Autogamie öfters von Wespen besucht, die gleichzeitig als aktive Bestäuber von Epipactis purpurata im selben Biotop fungieren.
Die Tiere suchen auch bei Epipactis greuteri zielstrebig nach dem Nektar im schüsselförmigen Hinterteil der Lippe (Hypochil).
Da Epipactis greuteri keine Klebscheibe (Viscidium) aufweist, können bestenfalls kleine "Bruchstücke" der Pollinien von Insekten entnommen und zu anderen Blüten transportiert werden.





Abb. 3
Obwohl die Blüten herabhängen, sind sie doch stets weit geöffnet - 02.08.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Abb. 4
Einzelblüte - 02.08.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Verwechslung:
Epipactis greuteri ist eigentlich unverwechselbar aufgrund
der grünen, hängenden Blüten mit auffallend langem Blütenstielchen, dem langen schmalen Fruchtknoten und der relativ schmalen, hoch angesetzten Blätter sowie der späten Blütezeit.

Lebensraum

Halbschattige Buchen- Fichtenwälder mit hoher Luftfeuchtigkeit an vegetationsarmen Stellen, auf frischem, gut Wasser haltendem Boden; an der bisher bekannten Fundstelle in Bayern über Frankendolomit.


Abb. 5
Biotop - 03.08.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Abb. 6
Biotop - 02.08.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT


Abb. 7
23.07.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Verbreitung
Die Art ist aus Griechenland, Italien, Kroatien, Österreich, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Deutschland bekannt.

© AHO-Bayern e.V.
Abb. 8
Verbreitungskarte im PDF- Format

Verbreitung in Bayern:
Epipactis greuteri hat bisher nur ein Verbreitungsgebiet in
der Frankenalb.

Gefährdung:
Die überaus seltene Art wurde bisher nur in einem Waldgebiet in Bayern gefunden; demnach ist sie extrem selten.
Da sie nur im Wald anzutreffen ist, ist sie durch Kahlschlag, Bau von Forstwegen und Wildverbiss bedroht.
Aufgrund ihrer Seltenheit kann schon die Zerstörung eines einzelnen Standortes das Aussterben der Art für Bayern zur Folge haben.


Abb. 9
Austrieb - 19.06.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT


Abb. 10
austreibende Gruppe- 19.06.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Abb. 11
knospige Gruppe- 11.07.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Abb. 12
Habitus - 26.07.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Abb. 13
Blütenstand - 02.08.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Abb. 14
Aufgrund der Autogamie 100 prozentiger Fruchtansatz - 18.08.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Abb. 15
Fruchtkapsel - 16.09.2009, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Abb. 16
Steriles Exemplar - 23.07.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Abb. 17
Steriles Exemplar - 23.07.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Abb. 18
Einzelblüte - 23.07.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Abb. 19
Einzelblüte - 26.07.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Abb. 20
Wespe als Blütenbesucher- 31.07.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: H. HOFFMANN

Abb. 21
Blütenstandsauschnitt - 26.07.2011, Neuhaus a.d. Pegnitz
Foto: B. TENSCHERT

Bernd Tenschert

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