Breitblättriges Knabenkraut
Dactylorhiza majalis
(REICHENB.) HUNT & SUMMERHAYES (1965)


Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Subtribus: Orchidinae
Blütezeit: A 5 - A 6
(A7 im Gebirge)
Beschreibung

Das Breitblättrige Knabenkraut erreicht eine Wuchshöhe von 15-50 cm. In seltenen Fällen können auch Exemplare bis 60 cm vorkommen. Typisches Merkmal sind die 4-7 (zumeist) oberseitig gefleckten breiten lanzettlichen Blätter. Die Intensität der Blattfleckung kann jedoch stark variieren. Der Stängel ist kantig und hohl. Die Blüten variieren von rosarot bis zu einem dunklen purpurrot. Sehr selten kommen auch weiße Blüten vor. Die mehr oder weniger 3-lappigen Lippen zeigen fast immer ein Schleifenmuster. Die seitlichen Sepalen sind abstehend bis aufwärts gerichtet, das mittlere Sepalum mit den Petalen helmförmig zusammenneigend. Die Lippe ist breiter als lang, der Sporn kurz, kegelförmig und abwärts neigend.

Das Breitblättrige Knabenkraut gehört zu den variabelsten Knabenkräutern. Blütenform, Blütenfarbe, Wuchshöhe und Blattfleckung können von Pflanze zu Pflanze sehr unterschiedlich sein.

Die Blütezeit ist von Anfang Mai bis Anfang Juli (Gebirge), wobei die Hauptblütezeit sich von Mitte Mai bis Mitte Juni erstreckt.

Blütenstand - Wülfersreuth 10.05.2009
Foto: F. Fraaß

Verwechslung:
Gerade von Wanderern, Naturfreunden und Landwirten wird das Breitblättrige Knabenkraut häufig mit dem Gefleckten Knabenkraut verwechselt, was diese auf die gemeinsame regelmäßig vorkommende Blattfleckung zurückführen. Das Gefleckte Knabenkraut bzw. Fuchs-Knabenkraut wirkt jedoch lang gezogener und fragiler als das Breitblättrige Knabenkraut, welches durch seinen gedrungenen Wuchs meist sich vom Gefleckten bzw. Fuchs-Knabenkraut unterscheidet. Des weiteren hat das Fuchs-Knabenkraut häufig eine deutlich ausgeprägtere Lippendreiteilung mit intensiverer Blütenzeichnung. Hinzu kommt, dass (gerade in Nordbayern) das Fuchs-Knabenkraut ca. 3-4 Wochen später als das Breitblättrige Knabenkraut blüht. Die Variabilität von Dactylorhiza majalis macht einem eine klare Bestimmung aber nicht immer ganz einfach.

Ungewöhnliche, aus 13 Einzelpflanzen bestehende Horstbildung - Birnstengel 20.05.2008
Foto: F. Fraaß
Hinzu kommt, dass die Breitblättrige Fingerwurz sehr stark zu Hybridisierungen mit anderen, im Biotop vorkommenden Arten neigt. Merkmale, wie die relativ breiten Blätter oder breitere Lippen, finden sich oft in den Hybriden etwas abgeschwächt wieder. Dies geschieht nicht selten mit der Fleischfarbenen Fingerwurz. Diese "Misch-Pflanzen" sind vor allem in Süd-Bayern nicht selten.

Lebensraum

Das Breitblättrige Knabenkraut besiedelt zumeist magere Feucht- und Nasswiesen, feuchte Gräben und Quellsümpfe. Im Vergleich zu zahlreichen anderen Wiesenorchideen ist das Breitblättrige Knabenkraut relativ anpassungsfähig und ist nicht kalkgebunden, sondern kann auch auf mäßig sauren Böden vorkommen. Gerne besiedelt es lehmige Böden.

Blüten mit typischer Schleifenzeichnung auf den Lippen - Wülfersreuth 24.05.2009
Foto: F. Fraaß
Nasse Quellwiese mit Massenvorkommen des Breitblättrigen Knabenkrauts - Bischofsgrün 18.05.2009
Foto: F. Fraaß
Einzelblüte - Wasserknoden 10.05.2009
Foto: F. Fraaß
Aufblühendes Exemplar mit den typischen breiten gefleckten Blättern - Wülfersreuth 10.05.2009
Foto: F. Fraaß
Feuchte Waldwiese mit Breitblättrigem Knabenkraut - Forsthaus Eichig (Fichtelgebirge) 14.05.2009
Foto: F. Fraaß
Prächtiges Exemplar - Wülfersreuth 24.05.2009
Foto: F. Fraaß
Verbreitung

Die stattliche Orchidee ist in großen Teilen Europas vertreten.
Die südliche Arealsgrenze verläuft von Nord-Spanien über Nord-Italien und Dalmatien bis Rumänien.
Nördlich erreicht sie Süd- Schweden und Süd- Norwegen, östlich gelangt sie bis Sibirien.
Mitteleuropa ist sicherlich (noch) einer der Verbreitungsschwerpunkte.
Auf den britischen Inseln kommt sie nicht vor.

© AHO-Bayern e.V.
Verbreitung in Bayern / Gefährdung
Das Breitblättrige Knabenkraut gehört (noch) zu den am weitesten in Deutschland verbreiteten Orchideen. In Bayern kommt es vor allem in den Mittelgebirgen und im Alpenraum noch ziemlich flächendeckend vor.

Obgleich das Breiblättrige Knabenkraut noch zu den „häufigeren“ Orchideen zählt, leidet diese Art unter erheblichen Rückgängen. Trockenlegung, Intensivierung der Landwirtschaft und Nährstoffeintrag führen zum Rückgang dieser schönen Orchidee. Sehr deutlich zeigt dies auch der starke Individuenrückgang an zahlreichen Standorten.

Verbreitungskarte im PDF- Format
Starnberg, 11.06.2006 - als Bestäuber fungieren verschiedene Hummeln, Bienen oder teilweise auch Fliegen.
Bei ihrer Suche nach Nahrung unterscheiden sie nicht zwischen den verschiedenen Dactyloriza- Arten. Die Folge sind meist eine Vielzahl an Hybriden, teilweise in ganzen Schwärmen.
Foto: U. Grabner
Selten kann man auch hellere Farbvarianten finden - Forsthaus Eichig (Fichtelgebirge) 17.5.2009
Fotos: F. Fraaß
Florian Fraaß

Literatur:

- AHO-Bayern e.V. (2005) Orchideen in Bayern

- PRESSER, H. (2000) Die Orchideen Mitteleuropas und der Alpen, Landsberg/Lech S.100-107

- LAUX, H. (1984) Unsere Orchideen - sehen, erkennen und schützen, Stuttgart 1984

- KRETZSCHMAR, H. (2008) Die Orchideen Deutschlands und der angrenzenden Länder, Wiebelsheim

Zurück
© 2012 AHO Bayern e. V.