Gügels Ständelwurz
Epipactis guegelii
K. ROBATSCH 1996


„Epipactis guegelii“ K. ROBATSCH, Jour. Eur. Orch. 28(4): 765-772 (1996)

Typus: Rumänien, Donaudelta, Letea 5 m s. m. 4.7.1995


Abb. 1
Rumänien, Letea, 08.07.2006
Habitus lange Blätter
Foto: EG
Etymologie:
guegelii benannt nach Ernst Gügel, einem zeitgenössischen Feldbotaniker

Wuchs und Größe:

mittelgroße Pflanze, nach Robatsch (1989) (30-) 40 (-45) cm, meist einzeln, aber auch manchmal in lockeren Gruppen

Stängel:

sehr dünn, so schwach, dass er oft schräg in der Begleitvegetation hängt oder auf dem Boden liegt, gerade, selten hin- und hergebogen; grün, im unteren Teil manchmal leicht braun überlaufen

Blätter:

Niederblätter 1-2, manschettenförmig. Laubblätter 4-6, eilanzettlich bis lanzettlich, auffallend hellgrün, abstehend und leicht überhängend, welliger Rand. Hochblatt 0-1, wie die anderen gefärbt, bis 6 cm lang und 0,5 cm breit

Blütenstand:

locker, einseitswendig; 6 bis 20 Blüten, ziemlich häufig werden die obersten (mitunter fast alle) Knospen vor Entfaltung der Blüten abgeworfen; Stängel im Bereich des Blütenstandes (Spindel) fein dicht behaart

Fruchtknoten und Stiel:

ziemlich lang, bogig gestielt, Stielchen hellgrün, selten auch leicht violett getönt, schwach behaart

Tragblätter: untere klein, kaum länger als die Blüten

Blüten:

klein, weit geöffnet, horizontal bis hängend

Bestäubung allogam

Sepalen:

grün, die seitlichen 7,5 mm lang, 4,5 mm breit

Petalen:

von weiß über weiß mit roten Adern bis zu kräftig rosa

Hypochil:

innen meist mittelbraun, selten grün, 5 x 4 mm

Durchgang zwischen Hypo- und Epichil:

mittelbreit

Epichil/Calli:

dreieckig bis herzförmig 3,5 x 4,5 mm, am Rand meist deutlich gezähnt; weiße Grundfarbe, selten rosa oder sehr selten rot; Kalli meist rosa, selten weiß, Seitenkalli flach bis stark ausgeprägt und strukturiert, Mittelkallus fast immer deutlich und farbig kontrastiert

Gynostemium:

voll ausgebildetes breites Klinandrium, gut entwickeltes, voll funktionsfähiges Viscidium; Pollinien lange kompakt

 

 

Blütezeit:

E6 - M7, am gleichen Ort etwas früher als Epipactis helleborine


Abb. 2
Rumänien, Letea, 22.06.2007
zwei Blüten
Foto: EG
Variabilität:
Variabel in der Petalen- und Epichilfarbe und in der Ausprägung des Kallus.
Verwechslungsmöglichkeit:

Der Unterschied zu E. helleborine besteht hauptsächlich im Habitus. Epipactis helleborine hat einen deutlich dickeren Stängel, breitere, dunklere, am Rande nicht wellige Blätter, hat größere Tragblätter, ist dichtblütiger und hat ein nach hinten geschlagenes Epichil.

Epipactis helleborine var. minor, über deren Status noch Meinungsunterschiede bestehen, ist der E. guegelii habituell ähnlich, beide Sippen besitzen einen ausgesprochen dünnen Stängel, der bei E. helleborine var. minor häufig, bei E. guegelii nur selten zickzackförmig gebogen ist. Das Epichil von Epipactis helleborine var. minor ist meist stumpf endend, zurückgeschlagen und am Rande nicht gezähnt. Außerdem blüht am gleichen Wuchsort Epipactis guegelii vor Epipactis helleborine, aber Epipactis helleborine var. minor sollte nach Epipactis helleborine blühen. Auch in der Ökologie bestehen Unterschiede: Epipactis guegelii wächst auf kalkhaltigem Sand, Epipactis helleborine  var. minor auf saurem Boden.

Verbreitung

Gebiet:

Bis jetzt nur vom Typusfundort Letea-Grind bekannt

Höhe:

0 m


Stand 2009
Verbreitungsgebiet
Kartenquelle: www.mygeo.info

Abb. 3
Rumänien, Letea, 08.07.2006
Biotop Wald von Letea
Foto: EG
Standort

Boden:

kalkhaltiger Sand (ehemaliger Meeresstrand, rumänisch: Grind)

Exposition:

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Biotoptyp:

Feuchter Eschen-Eichenwald mit meist gut entwickelter Krautschicht; die Wuchsorte von Epipactis guegelii sind im Mittel feuchter und schattiger als die von E. helleborine.

Besonderheiten
Epipactis guegelii wächst inmitten des Areals von Epipactis helleborine. Obwohl beide Sippen deutlich unterschiedliche Ansprüche an Licht und Feuchtigkeit haben, können sie gelegentlich unmittelbar nebeneinander wachsen und dann auch hybridisieren. Trotz aller Ähnlichkeiten, besonders der Blüten, und sich überschneidender Blütezeiten verhält sich Epipactis guegelii gegenüber Epipactis helleborine wie eine eigenständige Art. Es gibt keinen Grund, sie als Subspezies (oder noch niedriger) von Epipactis helleborine einzustufen.
Problematik
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Abb. 4
Rumänien, Letea, 08.07.2006
Habitus
Foto: EG

Abb. 5
Rumänien, Letea, 22.06.2007
Habitus knospig
Foto: EG

Abb. 6
Rumänien, Letea, 22.06.2007
Habitus knospig
Foto: EG

Abb. 7
Rumänien, Letea, 08.07.2006
Habitus
Foto: EG

Abb. 8
Rumänien, Letea, 22.06.2007
Stängel und Blätter
Foto: WW

Abb. 9
Rumänien, Letea, 22.06.2007 (????)
Blütenstand
Foto: WW

Abb. 10
Rumänien, Letea, 08.07.2006
Infloreszenz, Rest der Blüten abgefallen
Foto: EG

Abb. 11
Rumänien, Letea, 08.07.2006
Infloreszenz
Foto: EG

Abb. 12
Rumänien, Letea, 22.06.2007
Blüte seitlich
Foto: WW

Abb. 13
Rumänien, Letea, 22.06.2007
Blüte
Foto: EG

Abb. 14
Rumänien, Letea, 10.07.2006
zwei Blüten
Foto: EG

Abb. 15
Rumänien, Letea, 10.07.2006
Blüte
Foto: EG

Abb. 16
Rumänien, Letea, 23.06.2007
Blüte
Foto: EG

Abb. 17
Rumänien, Letea, 08.06.2007
Blüte
Foto: EG

Abb. 18
Rumänien, Letea, 23.06.2007
Blüte
Foto: EG

Abb. 19
Rumänien, Letea, 08.07.2006
Blüte
Foto: EG

Abb. 20
Rumänien, Letea, 08.07.2006
Blüte
Foto: EG

Abb. 21
Rumänien, Letea, 22.06.2007
Blüte
Foto: EG

Abb. 22
Rumänien, Letea, 08.07.2006
Blüte
Foto: EG

Abb. 23
Rumänien, Letea, 10.07.2006
Blüte
Foto: EG

Abb. 24
Rumänien, Letea, 08.07.2006
Blüte
Foto: EG

Abb. 25
Rumänien, Letea, 08.07.2006
rosa Epichil
Foto: EG

Abb. 26
Rumänien, Letea, 08.07.2006
helle Blüte
Foto: EG

Abb. 27
Rumänien, Letea, 08.07.2006
rotes Epichil
Foto: EG


Abb. 28
Rumänien, Letea, 22.06.2007
Blattrand

Foto: WW

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